
Heilkraut · Subtropengarten Paraguay
Kamille in Paraguay pflanzen
Matricaria chamomilla
Manzanilla ist in Paraguay kulturell tief verwurzelt und in fast jedem Haushalt bekannt.
- Standort
- sonnig
- Pflanzzeit
- März, April, Mai, August, September
- Spanisch
- Manzanilla
- Guarani
- Manzanilla
Standort und Pflanzzeit
Volle Sonne bevorzugt, mindestens 6 Stunden direkte Sonneneinstrahlung täglich. In der Region Guairá sollte ein leicht erhöhter, luftiger Standort gewählt werden, um Staunässe und übermäßige Hitze zu vermeiden. Leichter Halbschatten am Nachmittag kann in den heißesten Monaten (Dezember–Februar) hilfreich sein, um Hitzestress zu reduzieren.
Pflanzzeit: In Paraguay eignen sich vor allem die kühleren Monate der Trockenzeit für den Anbau. Beste Aussaat von März bis Mai (Herbst/Beginn des Winters) sowie August bis September (Frühjahr). Der Anbau im Hochsommer (Dezember–Februar) ist schwierig, da extreme Hitze und Feuchtigkeit Pilzkrankheiten und vorzeitigen Samenansatz fördern. In Guairá auf ca. 180–300 m Höhe sind die Temperaturen etwas gemäßigter als im Tiefland.
Boden: Leichter bis mittelschwerer, gut drainierter Boden mit leicht saurem bis neutralem pH-Wert (5,6–7,5). Sandiger Lehmboden ist ideal. Der schwere, rötliche Lateritboden (Colorado) in Guairá sollte mit Sand und Kompost aufgelockert werden, um die Drainage zu verbessern. Staunässe ist unbedingt zu vermeiden, da sie Wurzelfäule verursacht.
Pflege
Bewässerung: Regelmäßige, aber mäßige Bewässerung. Der Boden sollte gleichmäßig feucht, aber niemals nass sein. In der Trockenzeit (Mai–September) 2–3 Mal pro Woche gießen. In der Regenzeit (Oktober–April) natürlichen Niederschlag nutzen und auf gute Drainage achten. Tropfbewässerung ist ideal, da nasse Blätter Pilzbefall fördern. Jungpflanzen brauchen mehr Feuchtigkeit, ausgewachsene Pflanzen sind leicht trockentolerant.
Düngung: Kamille ist anspruchslos und benötigt wenig Dünger. Zu viel Stickstoff fördert Blattwachstum auf Kosten der Blüten und der ätherischen Öle. Vor der Aussaat eine kleine Menge Kompost in den Boden einarbeiten. Während der Vegetationsperiode kann einmalig ein organischer Dünger mit ausgewogenem NPK-Verhältnis (z. B. Wurmhumus) gegeben werden. Überdüngung vermeiden.
- Stickstoff (N)
- Phosphor (P)
- Kalium (K)
- Magnesium (Mg)
Ernte und Verwendung
Ernte: Blüten werden geerntet, sobald die weißen Zungenblüten sich waagerecht ausgebreitet oder leicht nach unten gebogen haben – das ist der Moment des höchsten Wirkstoffgehalts. In Paraguay ist dies je nach Aussaatzeitpunkt ca. 6–10 Wochen nach der Aussaat. Bei Herbstaussaat (März/April) sind Blüten von Mai bis Juli zu erwarten. Ernte am frühen Morgen nach dem Tauabtrocknen.
Verwendung: Getrocknete Blüten für Tee (Manzanilla-Tee), der in Paraguay traditionell bei Magenbeschwerden, Erkältungen und als Beruhigungsmittel verwendet wird. Auch für Tinkturen, Ölauszüge, Inhalationen und kosmetische Anwendungen (Gesichtsdampfbad, Haarspülungen). Frische Blüten können direkt für Tee verwendet werden.
Lagerung: Geerntete Blüten sofort trocknen – in Paraguay ist dies aufgrund der hohen Luftfeuchtigkeit besonders wichtig. Blüten auf einem feinen Netz oder Tuch in einem gut belüfteten, schattigen und trockenen Raum ausbreiten. Alternativ bei 35–40°C im Dörrgerät trocknen. Getrocknete Blüten in luftdichten Gläsern oder Papiertüten dunkel und trocken lagern. Haltbarkeit ca. 12–18 Monate. Auf Schimmelbildung achten.
Schädlinge und gute Nachbarn
- Blattläuse (Pulgones): Befall mit Knoblauch- oder Neemöl-Spray bekämpfen. Nützlinge wie Marienkäfer fördern. Bei starkem Befall betroffene Triebe abschneiden.
- Spinnmilben (Arañuelas rojas): Besonders in der Trockenzeit ein Problem. Regelmäßiges Besprühen der Blattunterseiten mit Wasser oder Neemöl-Lösung. Ausreichende Bewässerung verhindert Befall.
- Grauschimmel / Botrytis: In der feuchten Regenzeit häufig. Gute Luftzirkulation sicherstellen, Pflanzen nicht zu dicht setzen, Bewässerung auf den Morgen beschränken, betroffene Pflanzenteile sofort entfernen.
- Wurzelfäule (Fusarium/Pythium): Gute Drainage gewährleisten, Überwässerung vermeiden. Boden mit Trichoderma-Präparaten (biologisch) behandeln. Befallene Pflanzen entfernen.
- Raupen (Orugas): Handverlesern bei kleinem Befall. Bacillus thuringiensis (Bt) als biologisches Insektizid einsetzen.
Kombinationspflanzen
- Minze (Menta)
- Basilikum (Albahaca)
- Ringelblume (Caléndula)
- Tomaten (Tomates)
- Koriander (Cilantro)
- Zwiebeln (Cebolla)
Besonderheit in Paraguay
Manzanilla ist in Paraguay kulturell tief verwurzelt und in fast jedem Haushalt bekannt. Sie wächst hier als einjährige Pflanze und ist an das subtropische Klima angepasst, bevorzugt jedoch die kühlere Jahreszeit. Die hohe Luftfeuchtigkeit und Hitze im paraguayischen Sommer machen den Anbau in dieser Zeit schwierig. In Guairá sind die leicht erhöhten Lagen von Vorteil. Lokale Wildform-Kamille (Matricaria chamomilla) kann sich in kühleren Monaten auch selbst aussäen. Die Blüten haben durch die intensive Sonneneinstrahlung einen besonders hohen Gehalt an ätherischen Ölen. Traditionell wird Manzanilla als 'tereré-Beigabe' (zusammen mit anderen Heilkräutern in den Tereré-Krug gegeben) verwendet.